Manuela Jokisch überrascht. Sie kann Kunst, lernte Englisch beim Hören von Songs und strickt für ihr Leben gern. Dreibrück half ihr beim Neuanfang.
Manuela Jokisch ist fast blind, doch ihre Kreativität kennt keine Grenzen. In ihrer neuen Heimat Dreibrück hat sie einen Platz gefunden, an dem sie ihr Talent entfalten und sich wohlfühlen kann.
In ihrer Kindheit erlebte sie durch ihren Vater viel Gewalt. In der Augenklinik war sie Dauerpatientin. Mehrere Entzündungen nahmen ihr den Großteil ihres Augenlichts. Auf einem Auge erkennt Manuela Jokisch heute nur noch hell oder dunkel, auf dem anderen hat sie eine Sehstärke von fünf bis zehn Prozent. Als ihre sich um sie sorgende Mutter, die mit Abstand wichtigste Person in ihrem Leben, 2021 verstarb, kam sie nacheinander in mehreren Berliner Wohngruppen unter. Das Problem: Der dortige Betreuungsschlüssel und die Altersmischung passten nicht zu ihr. Man suchte eine Lösung und fand diese in Dreibrück.
Angekommen und durchgestartet
Seit Herbst 2024 lebt Manuela im Einzelzimmer. Anfangs zögerlich, nahm sie am Kunstangebot von Janna Ressel teil. Dort malt und zeichnet sie – trotz Sehbehinderung – mit Leidenschaft. „Ich habe die Bilder im Kopf. Um die richtigen Farben zu wählen, frage ich nach, welche Gegenstände sie haben.“ Für sie sind Kunst und Kreativität Ausdruck von Lebensfreude und Lebensmut. Sie hält den Kopf dicht übers Papier, malt Linien ohne Schablone, konzentriert und voller Energie.

Auch lange Linien bringt sie ohne Lineal oder Schablone, quasi freihändig, gerade auf den Malgrund. Sie wählt aus gut 50 verschiedenen Filzstiften aus. Mit Bunt- oder Wachsstiften käme sie nicht klar, dafür setzt sie den Stift zu kräftig auf das Papier.
Jede Woche bringt Manuela eigene Themen zu Papier: Anatomie, Flaggen, Früchte, Wetter, Liedtexte. Wissen schöpft sie aus Hörbüchern, dem Radio und besonders aus Musik, ihrer großen Leidenschaft. So lernte sie selbst Englisch, ihr Auftritt beim Sommerfest sorgte für Begeisterung. Auch das Stricken ist für sie Kunst – und Freude, die sie gern mit anderen teilt.

Ihr Weg zeigt, wie wichtig Orte wie Dreibrück sind: Räume, in denen Menschen mit Einschränkungen ihre Talente entdecken, entfalten und sich geborgen fühlen. Kunsttherapie, individuelle Zuwendung und gemeinschaftliches Leben eröffnen Perspektiven. Das hat Manuela Jokisch erfahren und gilt für viele andere.
Gerade die ideenreiche, liebevolle Begleitung macht es möglich, dass Menschen wie Manuela ihre Stärken zeigen. Unterstützen Sie Dreibrück, damit auch künftig solche Erfolgsgeschichten geschrieben werden können!