Pinkes T-Shirt, pink gefärbte Haare und pink lackierte Nägel: Die Lieblingsfarbe von Antje Gärtner ist unschwer zu erkennen. Beliebt ist sie vor allem durch ihre herzliche und aufgeschlossene Art. Weil es ihr in der Lobetaler Einrichtung für psychisch erkrankte Erwachsene so gut gefällt, kommt die 36-Jährige fünfmal pro Woche zum Kochen, Basteln oder einfach nur Unterhalten. „Dieser Ort ist wie eine Familie für mich“, sagt Antje Gärtner. In den geschützten Räumlichkeiten lernt sie gerne neue Leute und deren unterschiedliche Eigenschaften kennen.
Besonders schätzt die feinfühlige junge Frau den Umgangston an diesem Ort. „Hier wird niemand angemotzt, wenn er Probleme hat.“ Dass woanders ein viel rauerer Tonfall herrschen kann hat Antje Gärtner bereits in der Schule oder später in der Ausbildung mehrfach leidvoll erfahren. Dort wurde sie nicht nur wegen ihres unvollständigen sechsten Fingers gemobbt, sondern erhielt sogar Todesdrohungen. „Da fingen meine psychischen Probleme an“, erinnert sich Antje Gärtner.
Sie wurde demontiert…
Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Kauffrau für Bio-Lebensmittel, ehe sie sich nach mehreren Gelegenheitsjobs aufgrund psychischer Probleme in klinische Behandlung begeben musste. Nachdem sie mental wieder einigermaßen stabil war, brachte ein persönlicher Schicksalsschlag Antje Gärtner anschließend erneut in die Klinik. Im Anschluss versuchte sie, mit einer Sekretariatsstelle beruflich wieder Fuß zu fassen. Doch was ihr bei der Arbeit widerfuhr, zerstörte ihr bereits geringes Selbstvertrauen vollständig. Ihr Chef habe sie täglich angeschrien und zum Weinen gebracht.
Lebensfreude zurückgewonnen – neues Selbstbewusstsein entwickelt

Durch viele Gespräche mit Bezugsmitarbeitenden und anderen Klientinnen sowie die regelmäßige Teilnahme an den tagesstrukturierenden Angeboten hat Antje Gärtner in der Beschäftigungstagesstätte (BTS) nicht nur ihre Lebensfreude zurückgewonnen, sondern auch ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickelt: „Ich bin eben, wie ich bin“, sagt sie. Und ist glücklich.
Wenn die BTS nachmittags schließt, pendelt Antje Gärtner mit dem Bus zu ihrer Wohnung. Dort erwarten sie dann schon sehnsüchtig ihre zwei Katzen. Besonders hingebungsvoll kümmert sie sich in ihrer Freizeit um ihren Kater „Hunter“, der bei einem Unfall schon den Sturz aus dem neunten Stockwerk überlebt hat. „Hunter bringt mir so viel Liebe entgegen und passt super zu mir, weil wir beide schon so viel durchgemacht haben“, sagt Antje Gärtner.